Donnerstags-Nachdenk-Input

Eine spannende Debatte ist entstanden wegen meiner These, Mozart sei für Junge und Alte. Die Mozartfans haben mir das sehr übel genommen. Was ich damit meine: Kinder haben sofort Zugang zu Mozarts Musik. Sie werden gleich eingenommen von seinen Werken. Alte Menschen hören in ihm das Genie. Und ich persönlich musste 40 werden, bis ich Zugang zu Mozart fand und seine Werke sehr schätzen kann. Dazu brauchte es viele Jahre viel Mozart, um das Bild von Rock me Amadeus aus dem Kopf zu bekommen und mich dem Menschen Mozart anzunähern, dessen Genius in höchste Höhen griff, um den Klang direkt von dort aufs Papier zu bringen. Es ist etwas sehr Persönliches, die Frage nach der Musik. Bei vielen Komponisten ist das so, entweder findet man Zugang oder keinen.

Fakt ist: Musik ist für uns Menschen so unglaublich wichtig. Jeder Mensch ist Schwingung, also auch Klang und alle können singen, auch wenn sie es nicht glauben. Tun wir es ruhig. Forschungen haben belegt, dass schon 10 Minuten Singen in einem Chor Oxytocin ausschüttet, das Hormon, das für das Gefühl der Verbindung zuständig ist. Singen pflegt unsere Stimme und die hat nicht nur vom Namen her viel mit unserer Stimmung zu tun. „Wo die Sprache aufhört, fängt die Musik an“, heißt es.

Ich habe für jede Stimmung die passende Musik, quer durch alle Zeiten (na gut, nicht quer. Sehr eingeschränkt im Vergleich zu vielen, weil bachlastig). Im Studium fragte ich im Plattenladen nach einer Musik, die richtig, richtig krass schwer sei, so passend für „ich kann nicht mehr“-Momente im Leben. Der Händler – ein Meister seines Fachs übrigens, dessen Wissen meine Hörbibliothek immens bereichert hat mit seinen Tipps – drückte mir Rachmaninoffs 3. Klavierkonzert mit den Worten „zum Sterben schön“ in die Hand. Der Mann hatte, wie immer, Recht. Später jubelte er mir die Schottische Fantasie von Bruch unter, Verhängnis. Ich darf sie seit Jahren nicht auflegen, weil mein Umfeld Sorge trägt, die nächsten 10 Jahre nichts anderes mehr zu hören. Immer wieder lande ich bei meinen Klassikern. Meine Hitliste kann man bequem auf einer CD unterbringen. Das würde mir zeitlebens reichen und mir wäre keine Minute hörlangweilig.

Deshalb muss ich mir trotzdem Bohemian Rhapsody im Kino anschauen. Danach kann ich mich ja bei Bachs „Schafe können sicher weiden“ erholen.

Allen einen Feiertage, der viele zu Familientreffen führen wird. Mögen es gute Gespräche und Zusammenkünfte sein. Wer aus dem Kampf den Kampf entfernt, wird überrascht sein, was möglich ist.

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