Dem Wohl des Ganzen dienen

Steiners Anregung für den Dienstag, der von der Tatkraft des Mars gestützt wird, betrifft unsere Handlungen. Diese sollen dem Wohl des Ganzen, dem Glück, dem Ewigen standhalten können. Das ist eine große Nummer. Alles, was wir tun, darf sich an mächtigen Maßstäben messen lassen. Deshalb ist es sinnvoll, seine Handlungen vorab gut zu bedenken.

Natürlich gibt es Momente im Leben, da müssen wir ohne jedes Nachdenken reflexgesteuert agieren, um Schlimmes zu verhindern oder um etwas auszuweichen. Das ist auch nicht gemeint, sondern Steiner lädt uns dazu ein, alles, was wir tagsüber automatisch tun und wo wir durch unser mangelndes Bedenken anderen Menschen in Gedanken, Worten und Taten Schaden zufügen können, erst in Gedanken durchzugehen. Ähnlich wie Sokrates seine drei Siebe benannt hat – ist etwas wahr, gut und notwendig – gibt es eine Richtschnur für das Handeln: es soll dem Wohl des Ganzen dienen, dem Glück der Mitmenschen und vor der Ewigkeit Bestand haben.

Viele Menschen belegen für viel Geld Achtsamkeitskurse, dabei ist unser Alltag das allerbeste Übungsfeld. Wenn ich eine Karotte mit Aufmerksamkeit würfle und sie dann mit Liebe und Freude koche, wird das ein anderes Gericht sein, als wenn ich sie lieblos kleinschreddere und auf dem Herd einkochen lasse, denn alles, was durch liebevolle Hände geht, nimmt ein neues Wesen an. Wenn wir darauf bedacht sind, dem Wohl des Ganzen zu dienen, werden wir keine Handlungen unternehmen, die die Freiheit und das Wohlbefinden des anderen stören, welchem Naturreich – Mineralien, Pflanzen, Tiere und Mensch – er auch angehört. Handlungen, die zum Glück führen, sind von Liebe, Achtsamkeit und Freude geprägt, das gehört zu den stärkenden Taten. Wenn etwas vor der Ewigkeit Bestand haben soll, lautet die Einladung, all das viele sinnlose Tun unserer Tage zu überdenken und sein zu lassen.

Der Dienstag hat eine besondere Tatkraft. Deshalb können wir unser Augenmerk eher auf das Bedenken unseres Tuns legen. „Denke erst und handle dann und handelnd denk daran“ lautet eine Übung aus der Eurythmie. Sie könnte Pate stehen für Steiners Dienstagsanregung.

Herzliche Einladung an alle, heute bei allem, was wir einfach mal so aus dem Bauch raus tun würden, kurz inne zu halten und zu überlegen: dient es dem Gemeinwohl? Macht es mehr als nur mich glücklich? Ist es so wichtig, dass es von mir an diesem Tag getan werden muss? Habe ich es bedacht oder ist es eine meiner vielen kleinen unbedachten Handgriffe, die dadurch auch nicht in mein Bewusstsein eindringen (Klassiker: Ist das Bügeleisen aus, das Dachfenster zu?)?

Allen einen tatkräftigen Dienstag mit einem großartigen Auftrag hinter allem Handeln.

 

Michael bezwingt den Drachen am Hamburger Michel.

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