Das Leben mal kurz aufräumen

Zwei Türchen haben wir am Wochenende. Hinter dem Samstag verbirgt sich die Einladung, aufzuräumen. Damit ist nicht nur das normale Aufräumen gemeint, das die Arbeitswoche quasi beendet. Wenn alles schön sauber und ordentlich ist, ist frei. Das stammt aus der Zeit, als samstags ab Mittag Ruhe im Land war. Die Schulkinder hatten samstags noch Schule bis um 12, da schlossen die Geschäfte. Vielfach war das der klassische Putztag. Wenn alles geschafft war, begann der erholsame Teil.

In diesem Jahr habe ich mit so vielen Menschen wie noch nie den Alltag strukturiert. Das war notwendig, denn wenn die äußeren Rahmenbedingungen für eine Tagesgestaltung deshalb fehlen, weil es im Homeoffice oft wurscht ist, ob man um 7 oder um 11 Uhr anfängt, ist bei vielen auch jegliche Struktur verloren gegangen. Dann rutschen wir schnell in eine ausgesprochen lasche Haltung, in der gar nichts mehr geschieht. Andere haben vor lauter Angst, dass man glauben könnte, sie arbeiten zu wenig, gleich durchgearbeitet und abends um 19 Uhr gemerkt, dass sie längst Feierabend haben. Deshalb haben wir gemeinsam mit den Menschen die Tage grob strukturiert um die Mahlzeiten herum, denn auch das ist in Coronazeiten oft sehr lasch gehandhabt worden. Hauptsache satt, schnell und wenig Aufwand, wenn das Buffett in der Kantine flachfällt. Frage: was bist du dir selbst wert? Du bist, was du isst.

Die ausgewaschenen Schränke vom März sind mit Sicherheit wieder im leichten Chaos. Viele haben sich einige Sachen angeschafft über das Jahr als Ersatz für ausgefallene Ferien und andere kleinen Belohnungen. Da stapelt es sich nun, das ungebrauchte Zeug, an dem die Freude nur kurz währte.

Besitz verpflichtet, heißt es. Damit sind nicht nur Häuser gemeint, sondern auch unser normaler Hausstand. Less is more. Wenn man nicht mehr weiß, wo die Weihnachtsdeko hinsoll, steht zu viel rum. Raus mit allem, was man nicht wirklich heiß und innig liebt. Weg damit. Verkaufen, verschenken, weggeben, was das Herz nicht freut. Ein anderer hat vielleicht Gefallen daran. Entrümpeln wir unser Leben. Entdecken wir in den Tiefen der Schränke die wahren Schätze. Schöne Tischdecke? Auf den Tisch damit! Tolle Gläser? Auf den Tisch damit! Das schicke Kleid? Anziehen, auch im Homeoffice, denn schick machen wir uns, weil wir uns damit gefallen, nicht, um irgendwem eine Botschaft zu schicken, oder? Behalten wir das, was für uns einen wahren Wert hat. Trennen wir uns von Sachen, Mitgliedschaften, Zugehörigkeiten, Vorstellungen, Urteilen, schlechter Musik, grusligen Büchern, nicht passenden Kleidungsstücken und allem, was wir nicht regelmäßig wirklich brauchen!

Ähnliches ist für den Sonntag hinter dem Kalendertürchen. Der Aspekt liegt hier auf toxischen Beziehungen. Wir kennen alle Menschen, die uns nicht gut tun. Wenn wir mit ihnen zu tun haben, fühlen wir uns nicht erfreut, gestärkt oder belebt, sondern wie vom Laster überfahren. Wir sind genervt, wenn wir nur ihre Stimme hören. Wir rollen die Augen, wenn wir sie von weitem sehen. Leute, bei denen wir im Supermarkt in die nächste Regalreihe hopsen und hoffen, dass sie uns nicht bemerkt haben. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, um den Kontakt zu beenden, oder nicht?

Setze dich in Ruhe am Sonntag mal eine Weile hin. Gehe die Menschen durch, die in deinem Leben sind. Fange mit den engsten Menschen an und gehe immer weiter nach außen. Wer tut dir gut? Wer nicht? Warum? Kannst du etwas unternehmen, um Beziehungen zu verbessern? Hast du schon alles getan und es ist nicht gut geworden? Nur noch genervt? Dann mache dir bewusst, was du diesem Menschen verdankst. Wofür du ihm dankbar bist (und sei es, dass uns dieser Mensch gern die eigenen Fehler aufgezeigt hat, was auch eine heftige Aufgabe sein kann!). Schreibe das auf. Entweder sprichst du mit dem entsprechenden Menschen, sagst ihm, weshalb du dankbar bist, dankst ihm und sagst ihm, dass du dennoch erstmal auf Abstand gehen willst oder du schreibst es.

Klar kann man auch die Variante wählen „ich mach einfach garnix“. Das funktioniert im Lockdown mit Sicherheit. Frage: Warum traust du dich nicht? Bist du dir nicht sicher? Dann überlege es noch einmal. Willst du dir jemanden „warmhalten“? Ist das eine würdige, wertschätzende Haltung? Hast du Angst vor Ärger? Kann passieren. Oder Angst, dass die Person sagt „ich hätte dir das auch schon ewig sagen wollen“ und du bist beleidigt? Auch das kann passieren. Werde dir der Gründe bewusst, warum du jemanden nicht mehr in deinem Leben haben möchtest. Haben sie mit dir zu tun, kläre das. Haben sie mit dem anderen zu tun, beende liebevoll und achtsam den Kontakt.

Manchmal trennen sich Wege, weil sich die Menschen verschieden entwickeln. Das ist weder gut noch schlecht, es ist. Dann darf man sich bedanken bei Weggefährten und seines Weges gehen. Auf freundliche, wertschätzende und dankbare Art und Weise.

So entsteht Ordnung, so wächst Freiraum. So können neue Menschen ins Leben kommen, wenn wieder Raum für Neues geschaffen worden ist.

Aufräumen erleichtert. Beenden toxischer Beziehungen ist gesundend. Sollte die toxischste Beziehung in deinem Leben die zu dir selbst sein – hole dir Hilfe. Es gibt immer Gründe, warum wir agieren, wie wir es tun. Schau es dir an, werde dir darüber klar und bewusst und dann gehe neue Wege.

Allen ein wertschätzendes Wochenende.

 

Sonnenscheinfoto von Steffi, lieben Dank!

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