Ach, ich bin so froh erwacht!

„Ach, ich bin so froh erwacht!“ Das kann sich von Eichendorff locker leisten, nachdem er heimlich, still und leise alles, was drückt, in der Mondnacht linder Welle loswurde. Allerdings – auch sein Glück. Er hat alles losgelassen und vielleicht ist gerade DAS der Grund, weshalb er so froh erwacht ist.

Wir tun uns seit einem Jahr schwer, froh zu erwachen. Selbstverständlich haben wir guten Grund, uns mit sorgengefurchter Stirn aus dem Bett zu hieven und ins Bad zu schlurfen. Dann ist unser Grund, morgens aufzustehen, kein Ikigai, also etwas, das uns im Leben antreibt als Vision, sondern die Tatsache, dass wir pinkeln müssen.

Mir persönlich ist das viel zu wenig. Ich sehe nicht ein, dem allgemeinen Klagechor des Landes misstrauend, warum ich nicht froh erwachen sollte. Ich habe nicht weniger und nicht mehr Sorgen und Nöte als alle anderen Menschen. Bei uns gehen genauso Dinge schief, sind gleich drei Familienmitglieder zu pflegen, machen wir uns Gedanken über Schule, Praxis und vieles andere mehr. Wir missverstehen uns, wir streiten, sind zickig und doof, checken nix und alles, so, wie bei jedem anderen auch. Wir fallen nicht automatisch auf die Brotunterseite, wenn wir scheitern.

Aber: Wir sind so gar nicht gewillt, uns den Tag versauen zu lassen von Weltuntergangsstimmungen, Endzeitgelaber und der Furchtschürung vor dem apokalptischen Reiter. Lassen wir ihn mal kommen, den Reiter. Vielleicht will er woanders hin und fragt nur nach dem Weg. Dann hätten wir uns umsonst gefürchtet!

Nach wie vor entscheiden wir selbst, ob wir froh erwachen wollen oder uns aus der Kiste quälen und uns wünschen, 18 Stunden älter zu sein, um wieder reinkriechen zu können. Wir wählen unsere Haltung dem Tag gegenüber: Okay! Tag! Du bist dran! Zeig mal, was du alles in deiner Wundertüte hast! Wie bei allen Wundertüten enthält auch unsere oft Krusch, den man nicht braucht. Oft entdecken wir krasse Wunder. Ein Lächeln! Ein großartiger Termin mit Menschen, die uns zutrauen, dass wir ihnen helfen können. Ein Telefonat, dass es einem lieben Menschen bessergeht. Ein Smiley auf dem Handy. Jemand bucht einen Kurs (Hurra! Kommt und macht mit!). Der Tee ist gut, wir haben warmes Wasser. So vieles ist ein unglaublich tolles Geschenk.

Was nutzt das Beklagen vergangener Tage? Sie sind vorbei. Wenn wir Klagen tradieren, tradieren wir Unglück. Das wuchert unsere Seele mit der Zeit so zu, dass kein Lichtstrahl der Hoffnung mehr durchdringt. Wer hat es zugelassen? Genau. Warum tust du dir das an? Nimm die Heckenschere und entferne das Unkraut auf deinem Gemüt! Du kannst dich den ganzen Tag ärgern. Es zwingt dich aber niemand dazu, oder? Du kannst allem misstrauen und als Lohn bestätigt sich deine Prophezeiung. Der Einzige, der das dann als „hab ichs doch gewusst“ zur Kenntnis nimmt, bist du.

Da draußen quetschen sich Krokusse durch das Dunkel, um auch für dich zu blühen. Da zeigen Schneeglöckchen, dass Hoffnung immer keimt! Da kannst du bei diesem Wetter den Frühling riechen!

Leg mal für einen Tag deine Lasten bewusst nieder. Erlaube dir für einen Tag, dich für die Freude zu entscheiden. Sage „Stopp!“, wenn du dich anklagst und niedermachst. Probiere aus, was geschieht, wenn du mit Freude und voller Dank dein Essen genießt, ein Glas Wasser trinken kannst und mal ausprobieren wirst, wie es ist, wenn sich deine Mundwinkel zu den Ohrläppchen hinbewegen. Es kostet gar nichts, freundlich zu dir und anderen zu sein. Singen ist nicht direkt tödlich, summen schon gar nicht (bestes Beruhigungsmittel aller Zeiten). Lachen sprengt wie Liebe Ketten, lest den Eisenheinrich der Gebrüder Grimm als Tagesschluss.

Vertraut endlich mal wieder dem Leben, ihr Lieben. Ein Donnerstag ist dazu perfekt, gilt Jupiter doch als weise und Bringer des Frohsinns. Ein froher Sinn ist eine Entscheidung. In DEINEM Kopf übrigens. Wofür entscheidest du dich heute? Opfer bleiben (die werden geschlachtet übrigens) oder einfach mal die Leichtigkeit, die Freude, die Sinnhaftigkeit und Lebendigkeit wählen? Schau, was passiert.

 

Steffis Foto schenkt dir hoffentlich Freude und die Hoffnung des frisch keimenden Grüns. Danke!

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