Monthly Archives: Juli 2020

Mittwochs-Nachdenk-Input

Geniale Menschen, sagt da Vinci, beginnen große Werke und die fleißigen beenden sie. Das ist oft so. Wer genial ist, ist nicht immer mit Ausdauer gesegnet und vollendet so manches nicht. Wer fleißig ist, mag vielleicht im Bereich Genie Mängel zeigen, mit Fleiß kommt man letztlich dennoch sehr weit. Der Fleiß gehörte zu den Begriffen aus unserer Diskussionsrunde über die Qualitäten des Menschen der Zukunft.

Fleiß meint nicht, rund um die Uhr zu buckeln. Fleiß meint, einige andere Tugenden mit auszubilden wie Geduld, Ausdauer, Zähig- und Standhaftigkeit, sie alle gehören zum Fleiß mit dazu. Ein fleißiger Mensch bleibt an etwas dran, auch wenn er klar weiß, dass er dazu nicht immer Lust hat. Wer täglich eine Viertelstunde etwas übt, bringt es im Lauf der Jahre zu einer versierten Technik und einer guten Fertigkeit in einer Kunst.

Ein Genie, das sich auf seine Fähigkeiten verlässt, muss erkennen, dass wie beim Geigenspiel Genie nicht reicht, sondern die Finger tausende Male richtig gesetzt werden wollen. Erst wenn uns etwas im wahrsten Sinne des Wortes in Fleisch und Blut (also in die Körperzellen und unser Ich) übergegangen ist, haben wir es „sicher“, gehört es als Fähigkeit uns.

Wer Fleiß belächelt, versteht nicht allzu viel davon. Sich stetig in etwas zu Üben ist die Grundlage jeder Kunst, denn der Boden aller Künste ist das perfekte Handwerk. Deswegen ist es so eine wunderbare Erziehungshilfe, Kinder ein Instrument und eine Sportart erlernen zu lassen, denn in beidem entwickeln sie Fleiß, Ausdauer, Disziplin, Durchhaltevermögen und sie erleben, dass sich Dranbleiben lohnt, Üben etwas bringt. Botschaften, die durchs Leben tragen können. Alles, was leicht aussieht, sieht nur deshalb leicht aus, weil die Bewegungsabläufe nicht mehr überlegt werden müssen.

Besinnen wir uns ruhig auf Tugenden wie Fleiß. Wir erleben sehr klar im Alltag, dass wir uns als Erwachsene alles in irgendeiner Form erarbeiten dürfen, uns nichts nachgeworfen wird. Warum also sprechen wir oft verächtlich, herablassend und wenig wertschätzend vom trotteligen Fleißigen? Er macht das, was uns oft zu bequem ist. Und es ist am Ende der Igel, der den schnellen Hasen besiegt hat. Der ist vielleicht clever, aber tot, wenn er seinen Meister gefunden hat.

 

Auch das Mühlrad tut fleißig seinen Dienst. Katja hat es dankenswerter Weise für uns fotografiert.

Genie und Fleiß

Geniale Menschen beginnen große Werke, fleißige Menschen vollenden sie.

Leonardo da Vinci, 1452 – 1519

Dieses herrliche Exemplar eines Schmetterlings flatterte Steffi vor die Linse. Danke!

Dienstags-Nachdenk-Input

Menschen der Zukunft – vieles haben wir schon zusammengetragen, was Menschen stärkt. Am Wochenende gab es nicht nur einen Umzug, sondern auch einige Gespräche und Begegnungen zwischendurch, in denen es um die momentane Situation der Welt ging. Viele Menschen sind restlos erschöpft. Corona hat manchen das Gefühl gegeben, dass endlich mal irgendwer die Pausentaste gedrückt hat. Diese Menschen haben gemerkt, dass sie sich sehr getrieben gefühlt hatten. Anstatt die Zeit zu nutzen, um sich zu erholen, wurde sehr oft gekruscht und geräumt, entsorgt und die Nacht vor dem PC mit den neuesten Infos zum Tag gemacht. Andere kamen in eine vollkommene Überlastung mit Homeoffice auf begrenztem Raum, Homeschooling, wo sich vielleicht mehrere Kinder auch einen PC teilen mussten, denn nicht alle Familien verfügen über eine Ausstattung für jeden.

Was bei uns in der Praxis anbrandet, sind zutiefst erschöpfte und teilweise sehr ratlose Menschen. Sie haben Angst vor der Zukunft, dem Herbst. Sie beklagen den fehlenden Urlaub (was ich für eine Luxusklage halte, wir sind die zweite Generation, die das Wort überhaupt kennt, eine Sommerfrische gab es bis vor wenigen Jahrzehnten nur für sehr ausgewählte Bevölkerungsgruppen). Die Senkung der Mehrwertsteuer ist nicht so ganz spürbar, weil die Preise vorher schon hoch waren. Angst vor Arbeitsplatzverlust und Insolvenzen schwingt an sehr vielen Stellen mit. Der Ton draußen in der Welt ist rau. Klarheit fehlt, Angaben, was denn jetzt genau der Stand der Dinge ist. Ich erlebe täglich Menschen, die man als hoffnungslos bezeichnen kann. Müde, erschöpft, ausgelaugt und ohne Perspektive und das teilweise unter 25 Jahren Lebensalter.

Vielleicht bedenken wir, dass jede Zeit ihre Herausforderungen hat. Dass es als Mensch darauf ankommt, mit dem umzugehen, was ist. Es braucht die Vision einer Menschheit, die sich an eine Tafel setzt und bespricht, wie die Völker der Erde mit eben dieser Erde umgehen werden. Wie sie beweisen, dass sie sich einigen können. Wie sie es schaffen, Gier und Egozentrik, die seit Jahrhunderten nichts als Leid, Tod, Verzweiflung, Hass und Gewalt erzeugen, zu überwinden und Seite an Seite losgehen, um Würde, Menschlichkeit und Achtsamkeit zu implementieren, Respekt vor den Naturreichen in die Herzen der Kinder legt und das Teilen neu erfindet. Wir haben so viele Aufgaben vor uns, dass es genau jetzt der falsche Moment ist, sich in Ängste und Zukunftspanik zu begeben. Der Planet braucht unseren klaren Verstand, unser weites Herz und unsere fleißigen Hände, damit wir gemeinsam Zukunft möglich machen für die Kinder und Enkel, für lange Zeiten.

Wann lernen wir aus der Vergangenheit? Wie viele Coronakrisen braucht die Welt? Jetzt ist eine Welle durch in vielen Ländern. Wo bleiben die Folgen der Balkongesänge für die Pfleger, Helfer, Krankenschwestern, Ärzte, Betreuer in Heimen, Horten und Kliniken aller Art? Wo wachen wir auf im Angesicht der geschundenen Erde? Wo sehen wir klar, wie schnell Hass und Gier erneut aufgeflackert sind und so manchen vergessen lassen, was Anstand ist?

Ich wünsche mir Klarheit von oben. Kommunikation über das, was ist, was die Forschung sagt, wie die Fakten sind und was für die nächsten Monate ein guter Weg sein kann. Einsicht, welche Bereiche der Wirtschaft wirklich Förderung brauchen. Die Bereitschaft, sich an die Welttafel zu setzen und Zukunft zu gestalten, anstatt Lobbyismus, Ausbeutung und klares Handeln wider besseres Wissen zu fördern.

Ich wünsche mir Respekt, Wertschätzung, Anstand im zwischenmenschlichen Umgang. Dass wir hinlauschen auf den anderen und versuchen, ihn zu verstehen und wahrzunehmen in seinen Sorgen und Nöten. Dass wir bereit sind, umzudenken, anders zu handeln.

Ich wünsche mir die Erkenntnis, dass jede Handlung gegen die Natur, sprich alles, was da draußen lebt und existiert inklusive der Mensch selbst, sofort ein Ende haben muss und wir das Miteinander neu gestalten dürfen.

Ich wünsche mir, dass alle, die Angst haben, gestützt werden, denn es gibt keinen Grund zur Angst und keinen zur Panik. Es gibt Aufgaben, die zu lösen sind. Krisen, die wir bewältigen werden. Fragen, die Antworten aus dem Verstand in Verbindung mit dem Herzen brauchen. Es sind mächtige Aufgaben, götterwürdig. Aber wir haben uns vieles selbst eingebrockt, also wird es auch unsere Verpflichtung sein, uns um die Lösung der Fragen zu kümmern. Es ist zu spät, um Angst zu haben. Es ist zu spät, um zu kneifen. Es ist zu spät, um sich herauszureden. Es ist JETZT Zeit, Mensch zu sein.

Allen einen sehr kraftvollen und vor allem sehr ermutigenden Dienstag.

Für die Urlaubssehnsüchtler ein bisschen französisches Meer, Annemarie hat es fotografiert.

Ewigkeit

Der höchste Mensch wendet seinen Geist zurück zur Ewigkeit und genießt die Geheimnisse des Jenseits. Er ist wie das Wasser, das fließt, ohne Formen anzunehmen.

Dschuang Dsi

Ewigkeiten schufen diesen Fels und Ewigkeiten werden ihn wieder zu Sand zermahlen. Annemarie hat das Foto gemacht, Danke!

Montags-Nachdenk-Input

 

Freundschaft – ein weiteres Wort aus unserer „Wunschliste“ der Menschen der Zukunft. Sie sollten, da waren wir uns alle einig, zu Freundschaft befähigt sein. Freunde sind etwas anderes als Bekannte. Freunde haben wir sicherlich nur sehr wenige, denn sie sind die wirklichen Herzmenschen. Manchmal sagt man: „Partner gehen, Freude bleiben“. Hoffentlich nicht, aber es ist wirklich oft so. Freude kann man schon im Kindergarten gefunden haben. Wir haben für uns festgestellt, dass sich die Freundschaften immer wieder wandeln. Wir haben gute Weggefährten und manchmal verabschieden sich Freunde, weil wir uns unterschiedlich entwickeln und dafür kommen neue dazu. Einige Freundschaften sind seit der 5. Klasse stabil, viele aus dem Studium, das sind die besten.

Wir haben zusammengetragen, was Freunde auszeichnet: Sie hören mit dem Herzen hin, halten im richtigen Moment die Klappe, sagen uns in Liebe die Wahrheit, die wir nicht hören wollen, sind unser zuverlässigstes Korrektiv, wenn wir uns in etwas verrannt haben. Ihnen müssen wir nichts vormachen. Sie wissen, wie man verheult und im Wutanfall aussieht und kommen damit klar. Sie ertragen Snoopyschlafanzüge, Schwangerschaftsübelkeit und Altersstarrsinn. Sie kochen im richtigen Moment Hühnersuppe, nehmen einem wortlos die halbe Apfelernte ab und sind für die Kinder wichtige Bezugspersonen, weil sie diejenigen sind, die am besten vermitteln können. Sie kennen die Eltern und erinnern einen im unpassenden Moment daran, dass man ihnen ähnlich wird. Sie haben den gleichen Humor und man hat ein riesiges Weißtdunoch-Repertoire mit Lachgarantie. Sie haben uns in unseren Abstürzen, dunkelsten Stunden und im Alptraum den Kopf gehalten und krumme Lorbeerkränze gebastelt, wenn man im Studium seine schlimmste Prüfung geschafft hat. Sie würden niemals das Falsche schenken und sind die Einzigen, die uns hemmungslos und ehrlich kritisieren dürfen.

Das Wichtigste – es ist wechselseitig. Nur wer selbst ein guter Freund ist, hat auch gute Freunde. Auch hier die Erkenntnis: Es beginnt immer bei mir selbst getreu Gandhis Motto „Sei du selbst die Veränderung, die du in der Welt sehen willst.“

Wir wünschen euch allen von Herzen gute Freunde und einen freundlichen Wochenstart.

 

Freundschaft

Es geht uns mit Büchern wie mit Menschen. Wir machen viele Bekanntschaften, aber nur wenige erwählen wir zu unseren Freunden.

Ludwig Feuerbach

Diese beiden sind sicherlich sehr gut befreundet. Entdeckt im Garten von Primavera in Oy

Wochenend-Nachdenk-Input

Sokrates galt als Nervensäge mit seinen ewigen „ist das so“-Fragen. Er bezeichnete sich weder als Athener noch als Grieche, sondern als Weltbürger; sein Blick war weit und geprägt von den Erfahrungen der Mutter, die Hebamme war. Sein Satz, dass Reisen wenig bringt, wenn es nicht gelingt, seine Sorgen über sich selbst zu lösen, finde ich hilfreich, jetzt, wo viele sich anschicken, die Koffer zu packen und dahin zu fahren, wo es in diesen Zeiten möglich ist.

Ein bisschen ist es wie mit dem Hasen und dem Igel. Der Hase kann noch so schnell laufen, der innerlich bestens sortierte Igel weiß sich zu helfen. Am Ende stirbt der Hase an Überlastung, ausgelöst durch seine eigenen Gedanken. Ich sehe viele Hasen jeden Tag. Es wird gerannt und gemacht und gewürgt und getan und so mancher Einsatz beruht nur darauf, dass wir uns rund um die Uhr mit irgendwelchem Kram befassen, nur damit wir nicht auf uns selbst schauen müssen.

Ein Wort, über das wir in den letzten 14 Tagen intensiv nachgedacht haben, ist „Seelenhygiene“. Es gibt ein chinesisches Sprichwort: „Der Mensch bringt jeden Tag sein Haar in Ordnung, warum nicht auch sein Herz?“ Seelenhygiene bedeutet, sich jeden Tag eine Zeit einzuräumen, in der man überprüft: Was mache ich hier eigentlich? Bin ich da, wo ich sein soll und will? Mache ich das, was ich machen will? Sorge ich gut für mich und schade niemandem? Geht es noch freundlicher, höflicher, gelassener und wertschätzender mir selbst und anderen gegenüber?

Nehmen wir uns jeden Tag Zeit für solche Fragen, verirren wir uns nicht so sehr, wie wir das gerne tun. Wer täglich den Kurs prüft, erkennt Abweichungen rasch. Abweichungen können sehr hilfreich sein, wäre Kolumbus nicht von seiner Route abgewichen, wer weiß, wer Amerika entdeckt hätte und wie die Weltgeschichte gelaufen wäre. Was uns aber fehlt, ist die Bewusstheit. Wir sind oft automatisch unterwegs, ferngesteuert. Wir kaufen, was die Werbung uns suggeriert. Wir folgen dem, was uns andere raten und machen uns selten die Mühe, zu hinterfragen, ob das auch das ist, was WIR selbst wollen. Wir handeln im Autopilotenmodus und machen die Dinge achtlos, um hinterher stundenlang zu hirnen, ob das Bügeleisen aus ist.

So verdaddeln wir die Tage und schauen neidisch auf die, die irgendwie klarer unterwegs sind, wissen was sie wollen und machen, was sie sagen. Die sagen „Ja“ und „Nein“ und meinen das so, während andere ewig und drei Tage an einem „Ja aber“ herumeiern.

Die Sache ist einfach. Schau hin. Bei dir. Stell dich deinen Fragen. Folge der Spur, die dich in dein Inneres führt. Hier geht es nicht um egozentrische Nabelschau, das haben wir im Übermaß. Hier geht es um liebevolle Erkenntnis, um Selbsterziehung und Verantwortung für das eigene Wachstum. An unserem Erfolg oder Misserfolg ist meistens nicht die schlechte Kindheit, der miese Kollege oder der uneinsichtige Chef schuld, sondern die Tatsache, dass wir vieles gar nicht ernsthaft wollen, halbherzig tun und mit den immer gleichen Gedankenschleifen meinen, supergute Resultate zu erzielen. Finde den Fehler.

Allen ein einsichtsreiches und freundliches Wochenende.

Reisen nutzt nicht immer

Was wunderst du dich, dass dir deine Reisen nichts nutzen, da du dich selbst mit herumträgst?

Sokrates

Dieser Baum ist höchstens als Same weitgereist und doch trägt er die Weisheit der Welt. Danke an Gabi für das Foto.

Freitags-Nachdenk-Input

Verbindlichkeit – ein weiterer Wert, über den wir intensiv im Austausch waren bei der Frage „was zeichnet den Zukunftsmenschen aus?“ In Verbindlichkeit steckt die Verbindung. Die meisten Menschen unterhalten Beziehungen, das sind eher so diplomatische Angelegenheiten, Verhandlungsbasis, Geschacher, im Grunde Minipolitik.

Wahre Verbundenheit erwächst aus der Mitte des Herzens und basiert auf dem Grundgedanken, den Antoine de Saint-Exupéry im „Kleinen Prinzen“ in der Fuchsgeschichte traumhaft schön erzählt hat. „Zähme mich!“, sagt der Fuchs, als der kleine Prinz ihn bittet, mit ihm zu spielen. Der Fuchs ist noch nicht gezähmt, für ihn ist der kleine Prinz ein Junge wie Tausende andere auch. Erst durch das „sich einander vertraut machen“ erhält eine Beziehung ihre Tiefe, ihre Unverwechselbarkeit und ihren Zauber. „Man versteht nur die Dinge, die man zähmt“, legt der kluge Fuchs dem Prinzen nahe. Und er gibt ihm beim traurigen Abschied seine tiefste Weisheit mit: „Hier ist mein Geheimnis. Es ist sehr einfach: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

Unsere Beziehungen sind oft oberflächlich. Wir haben Bekannte zum Ausgehen, fürs Kino, den Sport. Tief im Inneren ist die Sehnsucht nach einem wahren, wahrhaftigen Freund riesengroß. Dem Menschen, der da ist, wenn wir ihn brauchen. Der uns die Wahrheit, derer wir oft bedürfen, in Liebe sagt, um uns aufzurichten, nicht zu richten. Die beste Voraussetzung, einen solchen Freund zu finden, ist, selbst einer zu sein. Und hier ist Verbindlichkeit wichtig: Ich habe nicht nur eine Verbindung, sondern ich stehe auch zu ihr. Ich halte mich an Vereinbarungen. Ich komme pünktlich. Ich muss nicht tausendmal gebeten werden, weil mir die Person wahrhaft wichtig ist.

Verbindlichkeit schafft Vertrauen und Sicherheit und das fehlt uns in unserer modernen Welt sehr. Sicherheiten gibt es nur zwei: alles, was lebt, stirbt und Nr. 2: alles ist in stetem Wandel. Mehr Sicherheiten haben wir nicht. Umso bedeutsamer ist es also, dass wir verbindlich im Umgang sind. Dass unser Wort Wert hat. Dass ein Handschlag nach wie vor ein Versprechen ist, das wir geben und einhalten. Dann entsteht Verbindung, wächst Freundschaft, tritt Vertrauen auf den Plan und das macht unser Leben schön. Ja, es bedeutet, dass wir ab und an unsere Pseudokomfortzone verlassen müssen, um etwas für andere zu tun. Und da machen wir dann die erstaunliche Erfahrung, dass es uns Menschen viel, viel mehr erfreut, wenn wir selbst Freude schenken, als wenn wir permanent nehmen.

Indras Netz, das wir in den Veden finden, ist die Herzensverbindung zwischen Mensch und Mensch. Jeder Mensch im Gitternetz der Verbundenheit (das vermutlich älteste Inter (= dazwischen sein)-Netz der Welt!) eine schimmernde Perle, in der sich alle anderen spiegeln. Alles ist mit allem verwoben, jeder spürt, was im gesamten System abläuft. Unser Internet ist eine Ein-Aus-Verbindung. Jederzeit kann ich offline gehen, mich herausziehen, unverbindlich bleiben. Und damit einsam, leer und unerfüllt.

Allen mit der Herzenskraft des Freitags einen verbindlichen und verbundenen Tag.

Der Beinwell hält, was er verspricht: er stärkt die Knochen und hilft, wenn wir uns etwas gebrochen haben, auf wunderbare Weise. Und er erfreut uns und die Bienen mit seinen zauberschönen Blüten.

Nicht zu kaufen

Gesundheit bekommt man nicht im Handel, sondern durch den Lebenswandel.

Sebastian Kneipp, 1821 – 1897

Der Salbei ist im wahrsten Sinne des Wortes (Salvia kommt von salvare = heilen) ein Heilkraut.

Donnerstags-Nachdenk-Input

Es sind noch einige Begriffe von unserer Diskussionsrunde über die Qualitäten künftigen Menschseins übrig, die ich euch gern ans Herz legen möchte. Ein weiteres Wort ist „Selbstwirksamkeit“, ein wenig bekannter Begriff. Selbstwirksamkeit bedeutet, dass ich zum einen handlungsfähig bin und zum anderen, dass jede meiner Handlungen Konsequenzen hat. Wie oft hören wir „Was soll ich als einzelner Mensch denn ausrichten! Da lass ich es einfach ganz bleiben“ – das ist richtig schlimm. Es ist immer nur der einzelne Mensch, der zählt. In Afrika gibt es das Sprichwort „Wenn viele Menschen an vielen Orten viele kleine Dinge tun, verändern sie das Antlitz der Erde“. Genau darum geht es.

Es ist meine Verpackung, die entscheidet. Meine Vorstellung von einem 10 Euro-T-Shirt. Meine Entscheidung, auf meinen teuren Markengrill Billigfleisch zu legen und meine Entscheidung, dass ich die Flugananas will. Jede dieser Entscheidungen hat Konsequenzen: Abholzung von Regenwald, Müllflut, Pestizideinsatz, dem Menschen ungeschützt ausgesetzt sind und deren Grundwasser dadurch verseucht wird, Kinderarbeit, Flugbenzin und vieles mehr.

In jeder Situation handlungsfähig sein schaffen wir nicht. Es gibt Situationen, da sind wir so geschockt, dass wir erstmal gar nicht fähig sind zu irgendetwas. Das ist in Ordnung. Gemeint ist mit Selbstwirksamkeit, dass uns bewusst wird, dass wir immer Alternativen und Wahlmöglichkeiten haben. Eine besonders krasse Alternative führte Viktor Frankl, der Aufenthalte in mehreren KZs überlebt hat, an: Wir entscheiden letztlich, was wir denken und diese Freiheit kann uns niemand nehmen. Selbst unter solchen Bedingungen nicht.

Selbstwirksame Menschen denken vor jeder Entscheidung kurz nach, suchen und entdecken Alternativen. Es zeichnet sie aus, dass sie für möglich halten, was andere für unmöglich erachten, weil sie wissen, dass es beim Problemlösen hilft, das Thema auch von einer anderen Warte aus anzuschauen. Das bedeutet, sich von Angst nicht ins Bockshorn jagen zu lassen, sondern immer nur den nächstmöglichen Schritt zu tun. Und es bedeutet sehr, sehr oft, etwas zu lassen. Bemerkungen nicht zu tun, Verletzungen zu unterlassen. Etwas nicht zu kaufen, sondern das Geld lieber in ein gutes Buch, eine gute Ausbildung zu investieren, anstatt sich immer wieder wegzubeamen von dem, was wichtig ist. Wer das lassen gewohnt ist, wird lässiger (nicht nachlässiger!) und letztlich gelassen, weil er weiß: es ist wenig, was wir wahrhaft brauchen. Und das sollte so hergestellt sein, dass es keinem schadet und so gut gemacht sein, dass es lange hält. Es ist die Qualität, die entscheidet. Nicht die Masse.

Allen einen ganz wunderbaren Jupitertag voller Freude.

 

Freude macht er der Hälfte derer, die ihm begegnen, die andere Hälfte lehnt seinen Geruch kategorisch ab: der majestätische Muskatellersalbei, Freund der Holzbienen.

Weise gehen in den Garten

Dumme rennen, Kluge warten, Weise gehen in den Garten.

Rabindranath Tagore

Nicht ganz so erfolgreich werden wir in diesem Jahr auf die Quittenernte im Herbst warten, denn dieses Jahr ist der Baum nicht sehr voll. Dafür hat er letztes Jahr gezeigt, was er kann und darf Pause machen. Sein Apfelkollege, der im letzten Jahr keinen einzigen Apfel trug, hat die Androhung hingegen verstanden, dass er jetzt Gas geben soll.

Mittwochs-Nachdenk-Input

Immortelle, die Unsterbliche. Eine Pflanze mit großen Kräften, wie so oft. Oft stehen Pflanzen am Wegesrand wie diese, die im Mittelmeerraum überall wächst, wo es karg und trocken ist. In diesen Pflanzen stecken Inhaltsstoffe, die tief wirken. So gilt das Immortellenhydrolat, das Pflanzenwasser, das bei der Destillation der Pflanze anfällt, als hervorragendes Mittel gegen Hämatome. Vielfach gestestet und bewährt hat sie sich. Das kann man besonders gut beobachten, wenn man gestürzt ist und nicht gleich spüren kann vor lauter Schock und Schreck, wo man sich überall wehgetan hat und nur manche Stellen einsprüht. Am nächsten Tag ist die Überraschung groß – wo gesprüht wurde, ist der Fleck so gut wie weg und wo es vergessen wurde, prangt ein riesiger blauer Fleck.

Ist das nicht wunderbar, was die Natur alles kann? Daran denke ich so oft, wenn ich in meinen Heilkräutergarten schaue und überlege, wie viele heilkräftige Pflanzen dort stehen. Manche breiten sich enorm aus, andere sind ein Jahr zu Gast und bevorzugen dann den stillen Tod, weil der Boden einfach nicht passt. Der Lehmboden bei uns ist nicht für alles eine Hilfe. Heidelbeeren, Sanddorn oder Karotten wären ein Traum, doch das ist so sinnfrei wie der Anbau von Dill und Fenchel hier. Dazu kommt, dass den ganzen Tag die Sonne draufscheint. Unsere Bäume geben sich ja wahrhaft Mühe, aber bis sie mal wirkliche Schattenspender werden, müssen wir noch 20 Jahre zuwarten.

So ist ein Garten ein Gesamtkunstwerk im Wandel. Böse Zungen behaupten, dass der Wandel bei unserem Garten darin besteht, dass die Jahreszeiten sich verändern und man dann manchmal nicht mehr ganz das meterhohe Chaos sieht. Dabei ist es nicht so wirklich chaotisch, dahinter steckten einst sehr durchdachte Prinzipien. Doch eines haben wir mit den Jahren auch gelernt – der Garten entscheidet, was passt. Und kein Jahr gleicht dem anderen. Was im letzten Jahr großartig war, kann dieses Jahr ganz und gar verschwunden sein. So ging es mir mit meiner Lichtwurzel. Acht Sommer lang erschien sie zuverlässig und hatte eines Tages im Sommer ihren Stab umwunden. In diesem Jahr windet sich nichts. Da merke ich, dass ich an einigen Pflanzen hänge und traurig bin, wenn sie sich verabschiedet haben.

Auf alle Fälle ist ein Garten ein lebendiges Wesen mit eigenem Mikroklima, eigenen Vorstellungen und Wünschen. Da sich in der Regel der Garten durchsetzt, lasse ich ihn walten. Es nutzt ja auch nichts, als Grasmilbenallergiker, der nach 10 Minuten im Garten flüchten muss, kann er im Sommer ohnehin treiben was er mag. Ich verarbeite nur die Ernten 🙂 und das ist dann die Freude, die wir im Winter jeden Tag erleben, wenn in unserem Glas der Saft aus den Beeren des Sommers leuchtet oder im Quark die Früchte des Sommers grüßen.

Im Moment ist das Haus in ein Kräutertrockenzentrum verwandelt. Die Bündel hängen an Decken und im Gartenhäuschen und verbreiten ihre spezifischen Gerüche. Nicht jeder findet den Duft von Ackerschachtelhalm (würde nie hier wachsen bei dem Boden, aber ich habe einen Sack voll geschenkt bekommen, woanders ist er Unkraut) toll (er stinkt sehr), mag Lavendel oder Bergbohnenkraut. Letzteres in der Hoffnung, dass es Insekten vertreibt. Naja. Ich hätte es wissen müssen …

Allen einen wunderbaren Wochenteilungstag. Esst Beeren, so viel ihr könnt. Sie sind totale Vitaminbomben. Wer weiß, was der Winter bringt. Also pimp your Immunsystem. Tanke Sonne, tanke Freude und Vitamine. Freude und Frohsinn sind die Vitamine der Seele.

Olivenbaum-Gedanken

Die Ölbäume sind sehr charakteristisch, und ich gebe mir große Mühe, das einzufangen. Es ist Silber, das mal ins Blaue, mal ins Grüne spielt, bronzefarben und beinah weiß auf gelbem, rosa, violettem oder orange Boden, der bis zum stumpfroten Ocker geht … Eines Tages mache ich vielleicht etwas ganz Persönliches daraus, wie ich es mit den Sonnenblumen für die gelben Töne gemacht habe.

Vincent van Gogh in einem Brief (608) an seinen Bruder Theo

Rund 400 Jahre alt ist dieser Olivenbaum im Garten von Primavera

Dienstags-Nachdenk-Input

Ein Faible für die herrliche Kraft der Heilkräuter hatte ich schon immer. Seit Jahren begeistern mich die ätherischen Öle zunehmend. Wunderbar finde ich die Kombination aus Heilkräutern als Tee oder als Heuauflage, Breiumschlag etc. und die Verwendung von ätherischen Ölen. Wie alles braucht es Fachkenntnis. Ein bisschen Riechen und anwenden ist es nicht. Pflanzen sind machtvolle Wesen, die einen Menschen auch ganz leicht massiv schaden können, wenn man sie falsch einsetzt. Deshalb ist es uns so wichtig, das Wissen da zu lernen, wo man den ganzen Tag nichts anderes macht als sich damit zu beschäftigen.

Ein Thema der letzten Woche war der Einsatz ätherischer Öle, Kneippanwendungen und Heiltees im Seminar über Angst und Befindlichkeitsstörungen. Sehr spannend, was man einsetzen kann und was im Bereich der Tees durch die Erfahrungsmedizin seit Jahrhunderten weitergegeben wird. Moderne Untersuchungsmethoden belegen die Wirksamkeit immer öfter auch wissenschaftlich. Wir stoßen in der Medizin manches Mal an Grenzen, zum Beispiel durch restistente Keime und vieles mehr. Da kann die Naturmedizin manches beitragen, dass beispielsweise ein notwendiges Antibiotikum dann wieder besser wirkt oder wie man auch Luft reinigen kann und vieles mehr.

„Apotheke Gottes“ wird die Natur oft genannt. Wie wir mit dieser Apotheke umgegangen sind seit vielen Jahrzehnten rächt sich. Wir müssen uns immer klar machen, dass die Vernichtung von Wäldern/Natur zu Lande, zu Wasser und in der Luft dafür sorgen, dass die Apotheke Gottes nicht mehr gut bestückt ist. Haben wir das Recht, künftigen Generationen vielleicht die Heilmittel vorzuenthalten? Ich denke nein.

Gesundheit ist nicht stabil. Sie möchte jeden Tag neu erworben und erarbeitet werden. Da haben wir selbst über unsere Art der Lebensführung jede Menge Möglichkeiten. Ausreichend guter Schlaf, gute Ernährung, Freude beim Tun, Sinnhaftigkeit, Angebundensein an Höheres, die Nutzung der Natur als Heilmittel durch die Nahrung und vieles mehr sind einfache und hocheffektive Wirkmöglichkeiten.

Das Bild zeigt einen Ausschnitt aus einem riesigen Infotisch, der beim Seminar aufgebaut war. Toll, dass wir immer wieder lernen dürfen. Allen viel Freude beim Gang durch die Apotheke Gottes und beim Bewusstwerden der Bedeutung von Natur für alles, was lebt.

Einen schönen und tatkräftigen Dienstag allen.