Monthly Archives: April 2020

Dienstags-Nachdenk-Input

Ostern 2020 ist vorbei. Für mich ein sehr bewusstes Ostern mit dem Miterleben der einzelnen Stationen des Weges, die sich wunderbar auf unser aller Leben übertragen lassen. Das ist keine Geschichte über ein fernes Ereignis, das uns nichts sagt. Nicht das, was kirchliche Würdenträger beim Zusammenstellen dessen, was in die Bibel Eingang finden soll, zugelassen haben. Keine Tage des Konsumwahns.

Ostern hat mit unserer ureigenen inneren Entwicklung zu tun. Wir alle haben hoffentlich Momente tiefster Demut wie bei der Fußwaschung, Momente, in denen wir versagen wie die Jünger, als Jesus sie am meisten gebraucht hat, erleben Judastaten. Schattenanteile in uns werden da beschrieben, wie wir sie gerade im Außen extrem gespiegelt bekommen.

Wenn wir nicht ins Bewusstsein heben, dass nicht die Natur unser Diener ist, sondern unser Handeln (auch) der Natur zu dienen hat, wenn wir aus Profitgier Werte verraten oder nach dem Motto handeln „was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“, Demut, Respekt, Wertschätzung und Dankbarkeit vergessen, wird es eng.

Das Licht des Ostermorgens zeigt – es geht weiter. Es ist immer Hoffnung, dazu braucht es Vertrauen, Mut, Dankbarkeit und die Erkenntnis, dass alle Weisheit in uns ist und wir dieser lang nicht vernommenen Stimme wieder Gehör schenken dürfen.

Allen einen guten Start in die Woche. Mögen alle unsere Lieben und wir gesund bleiben und erkennen, dass um uns so viele Wunder sind wie auf dem Foto von Stephanie. Danke!

Morgengrauen

Oh Morgengraun …

 

 

Oh Morgengraun!

Wie aus dem Dunklen drängt

Der Himmel doch herein!

Als flösse Luft mit trübem Licht

Von fernher in die dumpfe Welt;

Das Dunkel dämpft, ist Rauch, und zieht wie Nebelruß

In eine andre Welt –  nun ist zu atmen

Der Raum schon leerer, Licht strömt ein

In immer klarern Bächen; nun die Flut

Ganz nah an meinem Herzen …

Licht ist leuchtend!

Und dann erst brennt der Morgen wie ein Rosenstrauch.

Otto zur Linde, 1873-1938

Das wunderbare Foto hat Steffi gemacht. Lieben Dank!

Oster-Nachdenk-Input

Ostern ist ein Fest, das eine mystische Einweihungserfahrung beschreibt. Vom dunkelsten Moment ins lichteste Erleben führen uns die Tage von Gründonnerstag bis Ostern. Das Schauen der Sonne um Mitternacht ist in diesen Tagen so präsent wie selten. Die Menschheit befindet sich in einem tiefen Einweihungserlebnis. Wir gehen durch eine dunkle Zeit und haben die Aufgabe, das Licht in uns zu bewahren und zu tragen, damit es wie am Ostermorgen – durch das Tal des Todes getragen – leuchtet und eine neue Zeit markiert.

In diesem Sinne wünschen wir euch vor allem gesunde Ostern. Ostern, die wir vielleicht getrennt von unseren Familien, aber doch in einem gewissen Sinne vereint in der Freude aufs Wiedersehen verbringen. Allen Tage frei von Sorgen, von Krankheit, von schlimmen Nachrichten. Und ein wunderbares Lichterlebnis allen nach der Dunkelheit.

Das zauberhaft lebendige Waldfoto hat Silke gemacht – herzlichen Dank dafür.

Ein anderes Licht

Im Licht der Ostersonne bekommen die Geheimnisse der Erde ein anderes Licht.

Friedrich von Bodelschwingh, 1831–1910

Das großartige Foto hat Silke gemacht – vom Dunkel ans Licht. Danke!

Karfreitags-Nachdenk-Input

Nach manchen Mechanismen kann man die Uhr stellen. Kaum fahren wir ein wenig runter, wirft es uns kollektiv mit heftigem Kopfschmerz um. Für meinen Geschmack zu viel Wärme und ungewohnter massiver Einsatz im Garten mit Pickel, Hacke und Tiefenbohrung bei kniehohem Beikraut haben ihr Übriges dazu getan. Also stellen wir uns jetzt auf Sommer um, bestücken die Fenster mit Fliegengittern, nachdem wir gestern vier Hornissen hinausbitten mussten (alle vier meinten, in der Küche wäre ein guter Ort für einen Nestbau) und kochen morgens Kräutertee, damit er kalt wird. Gefühlt hatten wir letzte Woche noch massiven Frost und freuten uns auf Kannen heißen Tees. (Fazit: Tee geht sowieso immer. Tag und Nacht ganzjährig)

Nachdem uns der Kopfschmerz nicht schlafen ließ, sind wir ganz früh zum Einkaufen gefahren. Holla die Waldfee! 1,5 Meter Abstand? Nein, doch nicht im Osterwahnsinn! Da macht man jetzt den Mundschutz dran und dann „gilded des fei nimmer“. Ich dachte, ich hätte den Beginn der nächsten Verschärfungsmaßnahmen verpasst, die Regale wurden förmlich unreflektiert abgeräumt.

Der arme Kassierer schaute mich um 8 Uhr morgens freundlich an und meinte nur: „Wenn das so weitergeht …“ – beim Rausgehen schritt dann schon die Security ein. Auch im Bioladen jede Menge leerer Regale. Leute, was macht ihr denn noch immer mit dem vielen Klopapier und der Hefe? Den Bergen an Sauerteig? In ein paar Monaten muss die Müllverbrennung aufpassen, dass das ganze weggeworfene Zeug, aus dem kaum einer wahrhaft mehr Brot backt (das war der Hype von Woche 2 und 3) nicht explodiert.

Gelernt haben wir also nicht viel in diesen Wochen. Vorösterlich-frustriertes Fazit: Corona alleine führt noch nicht zur kollektiven Läuterung, wenn gleich bei der ersten Gelegenheit eines Festes (zumal wir bei uns nach wie vor Ausgangsbeschränkungen haben, also Familiengelage und große Feiern doch wohl flachfallen) bereits um 7.30 Uhr die Ellbogen wieder ausgefahren werden, damit einem ja keiner den Schinken wegschnappt. Oder alle wollten heute vor 12 Uhr alles aufessen, weil bis Sonntag nur Fisch angesagt ist. Wer soll das alles essen, was in den Einkaufswagen war?

Wenn das heute Morgen ein mikrokosmisches Bild des großen Ganzen war, dann sehe ich schwarz für die Bereitschaft der Menschheit zum Quantensprung Richtung „neuer Welt“. Dann ist es 2019 reloaded, Chance verpasst. Ist das euer Ernst?

Allen einen hoffentlich stillen Karfreitag mit einer Erkenntnis darüber, was jetzt sterben darf, damit Neues, Besseres auferstehen kann.

Meine Lieblingsspiere blüht genau so wie auf dem Foto. Ein Traum

Feines Osternest

Dem Vogel ein Nest, der Spinne ein Netz, dem Menschen Freundschaft.

 

William Blake

 

 

Diesen Kasten an unserer Hauswand hat Christoph im Winter vergessen zu leeren. Und, was macht Familie Piepmatz? Wirft empört das „alte Mobiliar“ aus der Tür und beschwert sich lautstark. Sorry, vergessen wir nicht mehr. Jetzt ist alles rechtzeitig fein. Zum Ausgleich haben wir ganz viel Nistmaterial in die Nähe gelegt.

Donnerstags-Nachdenk-Input

Heute Nacht hat mir Edeltraut das Gebet geschickt, das sie in einem alten Schulbuch entdeckt hat. Edeltraut und ihr Mann Manfred sind unsere jahrestechnisch gesehen ältesten Teilnehmer an der GlücksWERKstatt und dem Würdekompass. Ihre Lebenserfahrung, ihre Ruhe und Weitsicht sind für die Gruppen stets ein Geschenk. Der Austausch ist jedes Mal wunderbar. Es ist schade, dass das derzeit nicht möglich ist und schön, dass Edeltraut immer wieder Nachricht gibt, dass alles gut ist bei den beiden. Oft sind die schlichten Dinge die besten und wenn ein Kind so ein Gebet mitbekommt, fühlt es automatisch einen Schutz jenseits der elterlichen Möglichkeiten.

Oft fühlen wir uns eben schutzlos, einsam, verzweifelt, haben Angst, in diesen Tagen vielleicht besonders, wo wir, wie Angela Merkel das in ihrer Pressekonferenz diese Woche sagte, einen „symmetrischen Schock“ haben, was bedeutet: es betrifft alle durch die Bank. Wir haben einen weltweiten Schock bekommen. Ich denke jeden Tag darüber nach, ob es gelingt, aus diesem Schockmoment einen Phönixmoment zu machen. Wie kann Zukunftsgestaltung gelingen? Welche Welt möchten wir nun mit welchen Werten aufbauen? Schaffen wir den Switch?

Ich spreche mit vielen Menschen am Telefon, sie sind skeptisch. Sie denken: wenn die Beschränkungen aufgehoben sind, geht in kurzer Zeit der alte Trott wieder los. Manche sagen: Es braucht noch viel mehr Druck, es geht vielen einfach gut und wenn das nicht noch anders wird mit dem Aufwachmoment, reicht es nicht. Optimisten sagen: wir werden es schaffen, nach Corona anders zu leben als zuvor, wenn wir alle was verstanden haben. Wenn.

Vielleicht gelingt es, die Kartage bewusst und intensiv mitzuerleben und sich zu fragen – was stirbt jetzt im Weltendenken und was wird wiederaufstehen? Wir haben das in der Hand. Und allen wünschen wir, dass keiner noch erkrankt, dass alle eure Lieben sicher und geschützt sind. Einen guten Jupitertag allen!

Theresa hat das Foto in Griechenland gemacht lange vor Corona. Danke!

 

Gehalten sein

Gottes Hände halten die weite Welt, Gottes Hände tragen das Sternenzelt!

Gottes Hände führen das kleinste Kind, Gottes Hände über dem Schicksal sind.

Gottes Hände sind meine Zuversicht, durch das Dunkel führen sie doch zum Licht.

Im Frieden geborgen, vom Kampf umtost, in deinen Händen, Herr, bin ich getrost!

Das zauberhafte Foto hat Silke gemacht. Von Herzen Danke!

Mittwochs-Nachdenk-Input

Sehr früh sind wir in den Garten gegangen, gewillt, dieser unfassbaren Wildnis wacker entgegenzutreten. Am Mittag haben wir kapituliert. Vor der Masse. Vor der ungeahnten Hitze da draußen und dem bockelharten Boden, obwohl wir gestern ganz bewusst das Stück intensiv begossen haben, das wir heute bearbeiten wollten. Nicht mal ein Viertel von dem, was geplant war, ist geschafft. Zwei Jahre Dürre haben den Boden zu einem Lehmbatz werden lassen, noch ist nicht genug Kompost drin, als dass das schon gut wäre. Nun werden wir frühs und abends schauen, was möglich ist und unser Bestes geben. Wird höchste Zeit, denn die Pflanzenlieferung, im Januar geordert, als der Frühling noch weit weg schien, trudelt ein.

Inzwischen sinkt die allgemeine Stimmung ein wenig. Den März haben viele geschäftlich halbwegs überstanden, weil das Thema Corona erst zur Monatsmitte richtig angekommen war, da war der halbe Monat umsatztechnisch trocken und es bröselt langsam ab. Das wirtschaftliche Problem beginnt jetzt für die meisten. Das Vertrauen, dass es gute Wege gibt, ist nötiger als zuvor.

Hoffen wir, dass die Patienten genesen, dass möglichst viele Familien in die Osterwoche gehen ohne Mitglieder auf Intensivstationen. Hoffen wir, dass die Schwangeren, deren Geburtstermin jetzt liegt, ohne Angst in die Entbindungsstationen und Geburtshäuser gehen können. Dass alle, die bei dem für die meisten Menschen schönen Wetter drin bleiben müssen, gelassen bleiben.

Jetzt brauchen wir den Fokus auf unserem Phönixanteil. Altes muss sterben, damit Neues kommen kann. So nah waren wir den Fragen, die die Karwoche uns allen stellt, vermutlich noch nie. Wir werden ein Haufen großartiger Phönixe sein! Allen einen beweglichen Wochenteilungstag mit der Kraft des Merkurs.

Die Sitzgruppe im Abendsonnenschein hat Steffi vor die Linse bekommen. Vielen Dank dafür!

Dienstags-Nachdenk-Input

Happy Post ist in meinem Briefkasten heute angekommen. Ist das nicht zauberhaft? Happy Post mit einem Danke für die ErMUTigungsvideos. Wir freuen uns riesig, dass die Videos, die wir sechs Mal die Woche in diesen Tagen auf Facebook und unserer Homepage einstellen, für euch eine Unterstützung und Hilfe sind, so waren sie auch gedacht.

In der Karwoche wäre es für manchen hilfreich, sein Verhalten der letzten drei Wochen einmal zu reflektieren. Mal ehrlich: wieviel Medien habt ihr in diesen Wochen konsumiert? Vermutlich x Mal mehr als normal. Die Welt ist permanent online. Nur – macht das Sinn?

Wir laden wie die Weltmeister Filme und Serien runter, der Onlinehandel explodiert, ich habe gefühlt Millionen WhatsApp-Nachrichten bekommen, die mich allein von der Menge her vermutlich 26 Stunden am Tag beschäftigen würden, läse ich sie alle.

Wir weichen mal wieder aus. Typisch für uns. Wir können es nicht ertragen, unbeschäftigt = unbeliebt zu sein. Wir befinden uns im sogenannten Doing-Modus, weil der Being-Modus, der jetzt durch Corona möglich wäre für viele von uns (beileibe nicht alle) unerträglich ist. Wir müssten ja mal hinschauen auf unser Leben. Uns klarmachen, dass wir uns a) über Arbeit definieren, b) über die Anzahl unserer Kontakte im Netz, c bis x) über permanentes Ablenken von der Arbeit an uns selbst, vor der Konfrontation mit unseren Schatten.

Jetzt jammern wir, dass schleunigst alles wieder werden soll wie vorher. Im Ernst?? Also hat Corona außer unsägliches Leid für viele Familien rund um den Globus gar nichts genutzt? Wollen wir wahrhaft wieder zu unserer Unkultur der Egozentrik, des Konsums und der Ellbogen zurückkehren, in der unsere Kontakte abermals nur Oberflächenkosmetik sind, uns aber nicht im Goldkern unseres innersten Wesens berühren?

Was waren wir die letzten Wochen fähig zu altruistischem Verhalten, zu herzbewegenden Posts und Angeboten. Wir waren auf dem besten Weg, uns an unseren Auftrag auf dem Planeten zu erinnern: Erkenne dich selbst. Alles im rechten Maß. Sei ein wertvolles Mitglied der Lebewesengemeinschaft auf dem Planeten in Zusammenarbeit mit den Naturreichen. Werde Mensch. Werde die beste Version deiner Selbst. And now? Alles nur Lippenbekenntnisse?

Wenn wir jetzt wieder zum „normalen Leben“ zurückkehren wollen, ist das wie nach einer schweren Krankheit. Da schwören wir auf dem Krankenlager Stein und Bein: ab sofort Sport, gesunde Ernährung, kein Stress mehr, gute Work-Life-Balance blabla. Und vier Wochen später das alte Lied. Da steht das Rotweinglas neben der Couch zum Runterfahren, aus Fitness wird „keine Zeit“, Menschlichkeit wird via Spende zum Christfest erledigt und die wichtigste Frage des Jahres „wo fahrt ihr in Urlaub hin“.

Bitte nutzen wir die Zeit bis Ende April, um wirklich mal das Gehirn zu benutzen (in Abwandlung von St. Lem: Sein Gehirn war rein. Er benutzte es nie) und zwar zum Denken und in Konfrontation mit sich selbst und seinen Abgründen. Wenn ihr keine Ahnung habt, fragt eure Kinder, es geht schließlich um die Welt, in der sie selbst vielleicht mal Familien gründen und auch gut leben wollen!

Wenn wir jetzt nicht checken, dass das ein kollektiver und globaler Warnschuss zum Hinschauen für uns war, der „nette“ Bifurkationspunkt der Welt, will ich mir lieber nicht vorstellen, was die nächste Stufe wäre. Da muss ich nicht mal Verschwörungstheoretiker werden.

Bleibt gesund und allen einen tatkräftigen, weisen Marstag.

Neues Leben

Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit,

Und neues Leben blüht aus den Ruinen.

Friedrich Schiller

Das zauberhafte Blütenfoto hat Manuela gemacht. Herzlichst Danke!

Montags-Nachdenk-Input

Eine neue Woche, die Karwoche. Es wird ein anderes Osterfest werden als sonst. Glücklich, wer einen Garten hat und da die Eier für die Kinder verstecken kann. Vermutlich haben viele Eltern inzwischen mit ihren Kindern und dem Homeoffice eine gewisse Routine erreicht (alternativ: sind dem Irrsinn nahe). Wenn das Wetter so gut wird wie gemeldet, wird es für alle schwer, die keinen Garten oder Wald in der Nähe haben, sondern zentral in den Städten leben. Dennoch gilt – frische Luft ist wichtig. Schnappt die Kinder und raus, aber nicht zu den angesagten Zeiten zwischen 11 und 17 Uhr, geht in den Randzeiten oder macht ein Abenteuer daraus und geht nachts Sterne gucken, dick eingemummelt und mit Infos vorab, damit man auch den großen Wagen findet. Und nein, ein Haustier ist, so man vorher keines hatte, jetzt auch nicht die Lösung eurer Probleme.

Zwischen Mundmasken nähen und hefelosen Häschen backen trifft den einen oder anderen die Erkenntnis hart, dass er genau jetzt auf dem Weg in den Urlaub wäre. Ans Meer. In die Berge, in die Sonne, wohin immer. Dieses Jahr ist das anders.

Imagine! Wie wäre die Welt, wenn sie für dich die Beste aller Welten wäre? Was ist deine Erkenntnis nach drei Wochen Ausnahmezustand? In welcher Welt würdest du gern leben und was wäre dein persönlicher Anteil daran? Was könntest du dazu beitragen, dass die Welt genau diese Beste aller Welten würde? Du hast keine Ahnung? Warum? Die Zeiten ändern sich und jeder ist aufgerufen, den Wandel zu leben. Also lass kurz deine Versuche bleiben, deinen Lieblingswaschlappen mit Wasser bis zum Rand zu füllen und stell dich der Realität getreu Gandhis Forderung: Sei du selbst die Veränderung, die du in der Welt sehen willst. Damit ist NICHT dein rausgewachsener Haarschnitt gemeint.

Euch einen Start in eine gesunde Woche für euch und alle.

Auch dieses klasse Foto hat Steffi letzte Woche auf einer Morgenwanderung gemacht, ich danke dir!

Wochenend-Nachdenk-Input

Die drei Affen werden heute oft durch den vierten mit dem Handy ergänzt. Nach diesen letzten aufreibenden drei ersten Coronawochen wäre es hilfreich, wenn sich all jene, die nicht mit Pflege, Aufrechterhaltung und allem anderen Funktionieren beschäftigt sind, die drei Affen zu Herzen zu nehmen und die Welt nicht mit Angstwellen diverser Art zu überrollen. Es nutzt keinem etwas, wenn neue Hypes ausgerufen werden.

Besonders geschockt war ich über Menschen, die mir gesagt haben, dass Polizei da war, weil „zu viele unterwegs waren“ – eine Familie mit fünf Kindern ist zu siebt, wenn sie rausgeht und sich im Wald fernab von allen anderen aufhält! Das ist dennoch eine „häusliche Gemeinschaft“. Hoch-Zeit für Überwacher, Kontrollfreaks und selbsternannte Ordnungshüter. Anstatt zum Telefon zu greifen, wäre der Griff zu Nadel und Faden und Herstellung diverser Hilfsmittel sinnvoller oder ein Gang für den Nachbarn zur Apotheke, wenn er das nicht kann.

Nutzen wir das Wochenende, so wir es gesundheitlich und arbeitstechnisch können, und wenden den Blick weg aus der Coronahypnose hin zu der Tatsache, dass der Frühling anklopft. Nehmt diese seltenen Tage im Jahr wahr, an denen Rosen braune Blätter treiben, ehe sie grün werden. Das langsame Öffnen der Hyazinthen, das Strahlen und die weiten Blütenarme der Tulpen im Sonnenlicht, das Tanzen der Insekten auf Nahrungssuche und das Gewusel der Vögel, die Nester bauen. Der erdige Geruch des Bodens, den es nur einmal im Jahr so intensiv gibt.

Ein herzliches Lachen ausgelöst hat unsere Zwitscherbox. Früh am Morgen, Christoph rasiert sich, das Badezimmerfenster ist weit auf. Die Zwitscherbox zwitschert. Auf dem Dachfirst des Nachbarn thront das führende Amselmännchen der Gegend und nimmt die Melodien der Zwitscherbox auf und variiert sie höchst kunstvoll. Eine halbe Stunde lang standen wir wedelnd vor der Box, damit sie nicht aufhört (es ist ein Bewegungsmelder) und lauschten dem Duett. Danach war entschieden: die real lebende Amsel hat gewonnen. Sie hat den Wettbewerb an Variantenreichtum, Schönheit und vor allem Imbrunst des Vortrags, angestachelt durch die „Mitbewerber“ für sich entschieden. Kaum war das klar, gabs den Belohnungswurm.

Wie wärs, wenn ihr euch daran erinnert, dass das, was den Menschen erst zum Menschen macht, mit „Kunst und Kultur“ überschrieben werden könnte? Nutzt das Wochenende zum Singen, Tanzen, Malen, Basteln, zum kreativen Kochen, veranstaltet einen Gedicht- oder Geschichtenwettbewerb familienintern. Öffnet verstaubte Bücher! Geht in die virtuellen Museen der Welt. Gestaltet selbst was. Legt ein Naturmandala auf dem Balkon oder im Garten mit allem, was ihr beim Spaziergang findet. Stapelt Kieselsteine mit den Kindern aufeinander und probiert aus, wie viele Lieder ihr kennt und ob ihr im Kanon, zwei-, drei- oder vierstimmig singen könnt. Wer gut bei Stimme ist, hat eine ganz andere Stimmung und bringt die gute Laune mit in die Welt. Seid an diesem Wochenende Botschafter der Freude! Das gibt Kraft, damit wir die nächste Woche mit ihren Herausforderungen gut angehen können. Wer Pause hat – nutzt sie. Lenkt euch nicht ab mit stundenlangem vor dem Rechner sitzen. Flüchtet nicht vor euch selbst, sondern schaut hin. Nie war das so gut möglich wie jetzt.

Also, therapeutische Wochenend-Rezeptur: Welche Schönheiten der Welt kannst du an diesem Wochenende entdecken? Welche Form von künstlerischem Tun liegt dir und warum probierst du es nicht einfach aus?

Allen ein gesundes Wochenende im Frieden mit sich und den anderen. Machen wir es uns nicht gegenseitig schwer, das Leben.

Danke an Theresa für das affige Foto 🙂